FRANZ BAUMGARTNER


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Setzt nicht auch eine Malerei ohne Eigenschaften zahllose Kennzeichen und Eigentü mlichkeiten voraus? Ist eine Malerei, die offenbar ohne Vorsatz erfolgt, die als gleichmütig, unerschütterlich, nicht zugehörig, verschlossen und unnahbar erscheint, nicht wenigstens angewiesen auf ein Mindestmaß an sichtbarer Welt, auf eine Motivation als unentbehrlichen Anlass?
Eine Malerei ohne Eigenschaften ist eine, die nichts verbirgt und nichts eröffnet. Somit besitzt sie eine nahezu programmatische Vorgabe, um in ihrer Reduktion der Gegenstände auf Dinge und in ihrer Beschränkung auf Formen und Farben die Sichtbarmachung einer zweiten, sublimierten Wirklichkeit ermöglichen zu können. Es ist dies eine Wirklichkeit, die sich vom gewohnten Blick auf die Dinge löst und sich im Bild - als Bild - neu erschafft.

Der 'große Bottich' von 1999 wirkt zunächst wie eine Meditation über die Belanglosigkeit der Dinge. Auf monumentalem Bildformat erscheint nichts als eine graue Asphaltfläche, auf die links ein großer, seltsam geformter Bottich seinen Schatten wirft. Dieses Gebilde besteht aus einem oval geformten weißen Betonring, der ein Stück grünbewachsene Erde umschließt. Es ist einer dieser Betonbottiche, die auf Raststätten die Stellplätze für große Lastkraftwagen markieren. An den äußersten oberen rechten Bildrand gerückt zwei weitere dieser Bottiche; langgezogen und schmal wirken sie winzig gegen das massige Gegenüber im Vordergrund und entfalten so - unterstützt von den fluchtlinienartig verlaufenden Fugen des Asphaltbodens - eine greifbare perspektivische Wirkung. Ein eigentümlicher Kontrast wird in diesem Bild ersichtlich. Der 'große Bottich' als Bildmotiv ist an Attraktivität kaum zu unterbieten.
Ein belangloserer, schäbigerer Gegenstand kann eigentlich nicht gewählt werden, um in die Geschichte eines Bildes einzuführen. Betongrau, kalt und offenbar sinnlos ins Bild gerückt, entzieht sich der Gegenstand jeder Erzählform. So beliebig gewählt dieser Gegenstand erscheint, ist er alles andere als lieblos gemalt, und er ist auch keinesfalls wie zufällig in die Bildfläche hineinkomponiert. Dem unscheinbaren Motiv, das dem Auge überhaupt nichts zu bieten hat, steht eine höchst subtile, exakt kalkulierende Malerei gegenüber, die dem Gegenstand eine völlig neue Existenzform erschließt. Zunächst sieht der Betrachter nichts als einen Betonbottich; tatsächlich aber ist es das hingebungsvoll gemalte Porträt eines Betonbottichs, in dem man einzigartige, fast individualisierende Züge erkennen möchte. In feinsten Farbabstufungen aus Grün, Grau und Weiß steht der Bottich klar konturiert in gleißendem Tageslicht.